Bloss gut, daß das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.berlin01
Bin gerade aus der Hauptstadt zurückgekehrt an die Waterkant und immer noch fassungslos über das, was wir beim Besuch des Holocaust Mahnmals hören mussten. Als eine kleine Gruppe junger, vermutlich südeuropäischer Frauen fröhlich schnatternd durch das Stelenfeld genannte Meer von Steinquardern schlenderte, ertönte plötzlich eine strenge Lehrerinnenstimme:

Sie wissen schon, wo sie hier sind?
Der schneidende, rechtschaffene Unterton jagte uns kalte Schauer über den Rücken. Ja genau, dachte ich, wo sind wir denn hier, und woher nimmt diese dusselige Kuh das Recht anderen vorzuschreiben, wie man sich andächtig zu verhalten hat? Wenn jemand lachend das Mahnmal auf sich wirken lässt, dann bestimmt nicht aus mangelndem Respekt gegenüber den Toten. Ganz im Gegenteil. Schließlich werden wir ja unter anderem auch gemahnt, das Leben nicht zu Ernst zu nehmen. Am liebsten hätte ich dieser impertinenten Person einen deutschen Gruß entgegengebrüllt, der in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts en Vogue war. Zum Glück erinnerte ich mich daran, wo wir waren, und ich konnte meine vom Glühwein schwere Zunge im Zaum halten, sonst wäre die Lage sicher eskaliert. Der knappe Zeitplan ließ auch keine langen Diskussionen zu, und so wandten wir uns nur kopfschüttelnd ab und verschwanden in der Dunkelheit.

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